Michelin Gala am 23. Juni in Frankfurt: MICHELIN Guide startet „Mindful Voices“ – und schafft den Grünen Stern ab

Am 23. Juni 2026 werden die neuen Sterne für Deutschland im Gesellschaftshaus Palmengarten in Frankfurt am Main bekannt gegeben. Wie immer gibt es im Vorfeld der wichtigsten gastronomischen Auszeichnung jede Menge Gerüchte und Spekulationen. Das wichtigste: Künftig wird es keinen Grünen Stern mehr geben – hat Michelin via Pressemeldung bereits selbst bestätigt. Stattdessen wird das Programm Mindful Voices gestartet. Zunächt wurde es bei der Sterneverleihung für die nordischen Länder am 1. Juni vorgestellt, und jetzt soll es in wenigen Tagen in Deutschland bei der Sterneverleihung in Frankfurt präsentiert werden.

Mindful Voices: So heißt das neue redaktionelle Konzept des MICHELIN Guide. Es rückt Persönlichkeiten ins Rampenlicht, die durch ihr Engagement und ihre Arbeit neue Wege in der Gastronomie, Hotellerie und im Weinbau beschreiten.

Mindful Voices geht über die Gastronomie hinaus
Zuletzt hatte der MICHELIN Guide sein Portfolio auf die Hotellerie sowie den Weinbau erweitert und seine internationale Präsenz mit mehr als 60 Reisezielen deutlich ausgebaut. Hier setzt Mindful Voices an: Es spiegelt diese enorme Vielfalt wider und rückt Köche, Hoteliers und Weinproduzenten in den Fokus, die ihre inspirierenden Ansätze teilen und denen eine verantwortungsvolle Entwicklung ihrer Branche am Herzen liegt.
Gwendal Poullennec, Internationaler Direktor des MICHELIN Guide, erklärt: „Mindful Voices gibt all jenen eine Stimme, die in ihren jeweiligen Bereichen neue Wege beschreiten. Dieses neue Konzept spiegelt wider, was unsere Inspektorinnen und Inspektoren vor Ort erleben: inspirierende Begegnungen mit Menschen aus der Gastronomie, Hotellerie und dem Weinbau. Ihre Geschichten wollen wir teilen, ihren Stimmen wollen wir ganz im Einklang mit der DNA und den Werten des MICHELIN Guide mehr Gewicht verleihen.“

Neues Konzept wird weltweit eingeführt
Ziel ist es, weltweit nicht nur Orte in den Mittelpunkt zu rücken, sondern die Menschen, die diese Orte prägen, Innovationen vorantreiben und dafür stehen, Dinge anders anzupacken.
So werden die Mindful Voices sichtbar auf allen Plattformen des MICHELIN Guide, sowohl digital (Web, App, soziale Netzwerke) als auch in gedruckter Form, durch Porträts aus der Welt der Gastronomie, der Hotellerie und des Weinbaus, im Magazin des MICHELIN Guide mit Hintergrundartikeln, die den Personen gewidmet sind und bei ausgewählten Veranstaltungen, an denen diese Persönlichkeiten teilnehmen.

Der Grüne Stern ist weg
Also werden mit den Mindful Voices künftig große Persönlichkeiten der Gastronomieszene geehrt, in der Folge aus der Hotelszene und aus der Weinszene. Folgerichtig geht es beim Geschäft mit den Sternen um den (roten) Stern, die Michelin Keys und die Trauben. Die auf die Gastronomie beschränkten „Grünen Sterne“ wird es künftig nicht mehr geben. Der Guide Michelin zeichnete mit dem Grünen Stern Restaurants aus, die sich besonders stark den Themen Nachhaltigkeit und Regionalität widmen. Aber er war nie dafür gedacht, den „richtigen“, den roten Stern zu ersetzen, war also nie eine Bewertung der Leistung einer Küche. Gleichwohl kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass er mancherorts fast als Ersatz für den roten Stern gefeiert wurde. Wie dem auch sei, das ist jetzt Geschichte.

Internationaler Direktor Gwendal Poullennec

Gerüchte-Küche
Wie immer gibt es im Vorfeld zahlreiche Spekulationen darüber, welche der hochgelobten Newcomer-Restaurants oder ambitionierten Küchenchefs ihren ersten Michelin-Stern erhalten könnten. Insider der Gastro-Szene handeln jedes Jahr bestimmte Favoriten, oft Restaurants, die mit einem sehr modernen, regionalen oder überraschenden Konzept überzeugen. Kampf um die Höchstwertung: Deutschland hält aktuell den Rekord von zwölf Drei-Sterne-Restaurants. Die wichtigste Frage für Feinschmecker ist, ob ein weiteres Restaurant in den exklusiven Olymp der Drei-Sterne-Häuser aufsteigen oder ob ein Betrieb seinen Status verteidigen muss. Zur Einstimmung hat der Guide Michelin bereits im Mai 2026 eine Liste mit 20 neuen Restaurant-Empfehlungen in Deutschland herausgegeben (darunter das Norms in Berlin, SENSES in Hannover und das Knausbira Stüble in Stuttgart). Diese Vorab-Bekanntgabe facht die Gerüchte an, wer davon am 23. Juni vielleicht sogar mit einem Stern ausgezeichnet wird.

Und wie sich aktuelle Küchentrends wie Plant-Forward Konzep werden die Diskussionen auf der Veranstaltung zeigen. Fleisch und Fisch rücken zunehmend in den Hintergrund oder werden zur Beilage. Der Fokus liegt auf raffiniert zubereitetem Gemüse. Innovative Restaurants arbeiten zudem stark mit Fermentation (z.B. mit Koji), um Geschmackstiefen ohne Fleisch aufzubauen. Auch der Gueridon-Service liegt im Trend: Klassischer Service erlebt ein Revival. Das tranchieren, flambieren oder anrichten von Speisen (wie Steak Tatar oder Crêpes Suzette) direkt am Tisch des Gastes wird wieder zelebriert.

Harry Ackermann

Nach oben